So fing alles an...

Im Oktober 1966 wurden Hannelore Ulrich und mir am Gymnasium der Ursulinen in Trier das Rei­fezeugnis zuerkannt. Zuvor verbrachten wir zwar nur ein Viertel Jahr gemeinsam an dem Gymnasi­um, wo ich am 13.04.1966 die Aufnahmeprüfung zur Oberprima erfolgreich absolviert habe. Han­nelore war nach einer schlimmen Kinderlähmung auf den Rollstuhl abgewiesen - irgendwie stimmte die Chemie zwischen uns auf Anhieb. Es folgte eine 40-jährige Freundschaft, obgleich sie in Saar­brücken studierte und ich in Mainz. Sie wollte Diplom-Bibliothekarin werden - dieses Ziel wurde ihr jäh von einem absolut taktlosen Professor zerstört: Was wollen Sie in Ihrem Zustand als Biblio­thekarin? Das sagte er nicht nur einmal, so dass sie sich entgegen des Zuredens ihrer fantastischen Mutter und meinerseits gegen die Fortsetzung des Studiums entschied.

Sie zog sich vollständig zurück und freute sich immer über meine Besuche, weil ich sie dann mit samt dem Rollstuhl in mein Auto packte und mit ihr irgend wohin fuhr, was sie sich zuvor als Ziel ausgewählt hatte. Wir haben sehr viele schöne Stunden mit einander verlebt und ihr Strahlen an sol­chen Tagen entschädigte mich für die weite Hin- und Rückfahrt.

2004 verstarb ihre Mutter und von da an machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, wieder ins Saarland zu ziehen, zumal ich dort aufgewachsen bin. 2005 war es dann soweit: Nach einem Schlaganfall und psychischen Kollaps sollte ich kürzer treten, also musste ich da weg, wo ich mich neben dem Beruf so übermäßig sozial engagiert hatte, nämlich von Mainz. Am 16.08.2005 zogen mein Mann und ich also wieder "hemm"! Wie es das Schicksal so wollte, wir zogen in der Heu­duckstraße 18 ein und Hannelore wohnte in der Hohenzollernstraße 39!

Wir telefonierten sehr viel und ich besuchte sie auch recht häufig. Nur dann wurde ich so krank, dass erst einmal nichts mehr ging und es ein wenig still zwischen uns wurde. Bei seinen Einkäufen klingelte mein Mann dafür des Öfteren bei ihr, um ihr ein kurzes Hallo zu zurufen. Im November 2006 wollte ich ihr zum Ge­burtstag gratulieren und konnte sie nicht erreichen, Wir setzten alle He­bel in Bewegung, um heraus­zufinden, wo sie sein könnte. Die Hausbewohner, die Hausverwaltung - keiner wusste etwas, es kannte sie ja kaum jemand, da sie sehr zurück gezogen lebte. Von offiziellen Stellen hörte ich im­mer nur den gleichen Satz "aus Datenschutzgründen können wir Ihnen nicht hel­fen". Im Januar 2007 wendete ich mich an unsere soziale Betreuerin für behinderte Senioren in Alt-Saarbrücken. Immerhin waren wir vierzig Jahre befreundet, aber die beste Freundschaft wird nicht so hoch ge­schätzt wie Familienbande, die sie ja nun gar nicht mehr hatte! Diese Dame dann erklärte sich be­reit, nach zu forschen. Wenige Tage später rief sie mich an und sagte mir, sie habe eine schlechte Nachricht: Frau Ulrich ist vorgestern im Krankenhaus verstorben! Die Betreuerin von Hannelore Ulrich wollte nicht mit mir sprechen, verriet aber wenigstens meiner sozialen Betreuerin, wann und wo sie beerdigt wird. So konnte ich ihr wenigstens noch die letzte Ehre erweisen. Außer dem Pfar­rer und mir nahm nur ihre Betreuerin an der Beisetzung teil. Von den Hinterlassenschaften hatte ich mir ein Andenken erbeten - das wurde mir verwehrt! In meinem Herzen aber lebt Hannelore weiter - und da entstanden meine ersten Ideen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen!

Ich fand das alles so traurig und schrecklich, dass ich mit meiner Arbeit verhindern möchte, dass Menschen sich wegen ihrer körperlichen Beeinträchtigung total zurück ziehen und völlig verein­samt sterben müssen! Die körperliche Beeinträchtigung darf kein Grund für Isolation sein - ich möchte die Menschen dazu bewegen, wieder am Leben teil zu nehmen; ihnen zeigen, dass es trotz der Beeinträchtigung Lebensqualitäten gibt, die sie alleine möglicherweise gar nicht kennen oder sich vielleicht einfach nicht mehr trauen! Oder sie wissen ganz einfach nicht, was ihnen zusteht, wie sie an Lebensqualitäten gelangen können!

Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich mich aber noch nicht sofort der Idee widmen. Als es mir dann wieder besser ging, berichtete mir Ursula Schneider-Schäfer vom Sozialamt des Regionalverbandes, der ich unendlich viel zu verdanken habe, im Mai 2008 von der Selbsthilfegruppe "Lebenslust trotz Amputation". Die Gruppe trifft sich immer am ersten Freitag im Monat in Dudweiler, Beethovenstraße 11, zum Gedankenaustausch.

Schnell wurde mir das Amt der Öffentlichkeitsarbeit übertragen. Es erfolgten Berichte in der Bild, der Saarbrücker Zeitung und dem Wochenspiegel.

Gründung der ampuLAG-Saar - Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen für Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Saarland am 15.09.2012 in Merzig

Mitglieder sind die ampuSHG-MZG und ampuAHG-SB - Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Landkreis Merzig-Wadern bzw. im Regionalverband Saarbrücken

Gründung der SHG als nicht eingetragener Verein am 7. Mai 2011 in Merzig

Gründung der eigenen Selbsthilfegruppe "Bewegen statt Behindern Saar" am 31.01.2009

Nach einer sehr gelungenen Weihnachtsfeier im Johanna-Kirchner-Haus am 04.12.2008 gehe ich nach Unstimmigkeiten in der Zielsetzung eigene Wege - mir war der reine Gedankenaustausch einfach zu wenig!

Berichte aus Bild und Saarbrücker Zeitung

Bild vom 13.09.2008

Saarbrücker Zeitung vom 13.10.2008